Herr Larbig rief gestern via Twitter und Blog zu einer Blogparade zum Thema “Reflektierende Praktiker” auf. In seinem Blog erklärt er sehr ausführlich für Einsteiger, was sich hinter einer Blogparade verbirgt und wie man teilnehmen kann. Konkret geht es um folgende Fragen: Wer führt zur Unterstützung eigener Praxisreflexion ein Arbeitsjournal? Oder: Wie sieht eure ReflexionsROUTINE aus?
Vorweg: Ich führe kein Journal oder sonst irgendetwas Schriftliches. Wohl auch, weil dies wieder Zeit in Anspruch nehmen würde, von der man per se sehr wenig zur Verfügung hat. Allerdings reflektiere ich die Ergebnisse und Abläufe meiner praktischen Arbeit durchaus. Vielleicht auch, weil ich ich “erst” seit 3,5 Jahren aus dem Vorbereitungsdienst entfleucht bin und dort Reflexion das A und O war.
Bei der Wahl der Reflexionsinstrumente ist man natürlich eingeschränkt. Man kann sich die Früchte der Arbeit ansehen: Schülerergebnisse, Lernzuwächse, Ergebnisse aus Elterngesprächen usw. Man kann sich Feedback von Schüler- und Elternseite einholen, wobei Schülerfeedback in der Grundschule ein ganze anderes ist, wie in der SEK1.
Also, um erstmal eine konkrete Antwort auf den zweiten Teil der Frage zu finden: Die Routine besteht vor allem aus “sich Gedanken machen” unter Berücksichtigung von Schülerergebnissen und Lerndokumentationen, unterstützt durch regelmäßiges Einholen von Feedback.
Ich würde es begrüßen, wenn Zeiten und Räume geschaffen würde, damit Kollegen sich gegenseitig besuchen können und sich bei der Reflexion des eigenen Unterrichts unterstützen. Doch dafür müssten eben Rahmenbedingungen bzgl. der zur Verfügung stehenden Lehrerstunden geschaffen werden.
edit sagt:
Nutzt eigentlich irgendjemand die Möglichkeiten von Videoanalysen? Camcorder bekommt man ja inzwischen nachgeschmissen, so dass man in der Lage ist eine Unterrichtsstunde/ein Elterngespräch auf Video aufzuzeichnen, um es nachher mit Kollegen zu analysieren/reflektieren. Frage: Agieren insbesondere die Kinder anders, wenn sie wissen, dass sie gefilmt werden? Und vor allem: Wie sieht das rechtlich aus? Brauche ich das Einverständnis aller Beteiligten? Darf ich mit einer privat angeschafften Kamera filmen?
Gegenseitige Unterrichtsbesuche sind in meinen Augen auch DER SINNVOLLSTE Weg! Da stimme ich dir zu. Alleinges Eigenreflektieren lässt einen nicht die eigenen Fehler erkenne, die sich im Laufe der Jahre einschleichen…
Hier stimme ich dir Florian und Valessa zu!
Es gibt wenig Möglichkeiten und Freiräume um seinen Unterricht im Alltag wirklich sinnvoll zu reflektieren.
Eine kontinuirliche Arbeit im Team (in einem gut funktionierenden) Team könnte helfen – nur auch besteht die Gefahr der Betriebsblindheit.
Ein guter und regelmäßiger Austausch über die eingesetzten Methoden und Materialien, das eigene Lehrerverhalten und die Reaktionen der Schüler wäre echt von Vorteil. Setzt aber eben “Offene Türen” einerseit und “Offene Ohren und Augen” andererseits voraus!
Sich selbst kritisch reflektieren ist absolut notwendig. Es allein über die Leistungen der Schüler fällt mir (an der Förderschule) eher schwer.
Interessantes Thema!
Wirklich interessantes Thema. In Blogform über seine aktuelle Arbeit und Rolle zu reflektieren scheint mir rein aus Privatsphären- und Datenschutzgründen heikel. Gut, vielleicht zwecks Selbstdarstellung.
Bedeutsamer ist die Tatsache, dass eben Unterricht auch heute noch vorwiegen von einer Lehrkraft in einem Schulzimmer erteilt wird und darum herum gruppieren sich alle die Probleme von “Türe auch für andere öffnen, ja wie stehe ich dann da?” usw. Viele unausgesprochen Ängste, das zeigt sich immer bei der Aussage:”Ok, unter Kollegen können wir das ja machen, aber Fremde???”
Der Beruf ist komplexer und vor allem auch komplizierter geworden. Möglicherweise inzwischen auch nicht mehr attraktiv genug..
Ich habe in meinem Blog darüber geschrieben, entstanden ist ein Dossier und wer sich interessiert, kann ja da drin mal etwas blättern. Dossier Schule
Ich war vor ein paar Monaten an einer Schule in England. Dort war es ganz natürlich, dass jeder Lehrer in regelmäßigen Abständen von einem anderen Lehrer beoachtet und bewertet wurde. Ich fand das eine wirklich gute Sache! Die Beobachtung erfolgte nach festgelegten Kriterien, sodass eine mehr oder wenige objektive Evaluation vorlag. Die Beobachteten waren zwar nervöser als üblich, aber alle wissen ja, dass es seinen Zweck erfüllt. Da können sich (viele) deutsche Schulen auf jeden Fall mal dran orientieren.